Dienstleistungen fürs Wohnen im besten Alter

Wie wollen ältere Menschen wohnen?

Antworten auf diese Frage gibt der soeben publizierte Age Report. Die umfangreiche Befragung älterer Personen findet alle fünf Jahre statt und gibt Immobilienfachleuten und Planern interessante Erkenntnisse in die Hand.

Alterstaugliche Wohnungen gefallen auch den Jungen

Für Investoren und Bauherrschaften, welche die demografische Entwicklung gezielt in ihre Strategien einbeziehen, steht fest: Wir kümmern uns weniger um den Bedarf (denn dieser ist sowieso gegeben), wir planen und bauen konsequent alterstauglich. Wohnungen, die fürs Alter tauglich sind, finden ebenfalls bei einem jüngeren Publikum Gefallen – vorausgesetzt die Wohnung ist ansprechend ausgestattet.

Dies gilt vorab für den Neubau, denn diese sind im Vergleich zu Sanierungen im Bestand einfacher zu konzipieren. Trotz viel Bautätigkeit ist die Erneuerungsquote des Schweizer Immobilienparks viel zu klein, um den wachsenden Bedarf fürs Alter abdecken zu können. Also muss der Immobilienbestand in den Fokus rücken. Viele ältere Menschen leben in langjährigen Mietverhältnissen in Gebäuden, die in die Jahren kommen.

Age-Report IV: Leben zu Hause – so lange es geht

François Höpflinger, der renommierteste Altersforscher hierzulande, ist im Rahmen seiner Befragungen zu interessanten Erkenntnissen gekommen. Viele davon akzentuieren sich seit der ersten Befragung von 2003 und zeigen klare Trends auf. Wenig überraschend ist die Tatsache, dass ein Wechsel in ein Alters- oder Pflegeheim nur in Frage kommt, wenn es sein muss. Man möchte so lange als möglich zu Hause leben. Die Resultate zeigen, dass sich die heutige Generation älterer Menschen mehr Gedanken als frühere zum Wohnen machen. Baby Boomer formulieren ihre Ansprüche und wollen sie umgesetzt haben.

Welche Wohnqualitäten sind gefragt?

Der Abe-Report zeigt: Nach der Pensionierung wird die Wohnung zunehmend zum Mittelpunkt des Alltags. Die Wohnkosten rücken etwas stärker in den Vordergrund.

Untenstehend sind die wichtigsten Erkenntnisse aufgelistet:

  • Die Wohnung soll gemütlich sein, zahlbar und ruhig sein.
  • Eine Wohnung in einer belebten Umwelt wird nicht hoch gewichtet.
  • Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten ist wichtig, aber nicht prioritär.
  • Platz für Gäste wird geschätzt, steht aber nicht an vorderster Stelle.
  • Wunsch nach rollstuhlgängiger Wohnung ist abhängig von der funktionalen Gesundheit (es wäre interessant zu wissen, ob in der Umfrage auch nach rollatorgängiger Wohnung gefragt wurde).
  • Gemeinschaftliches Wohnen geniesst wenig Sympathie.

 

Welche Wohnformen sind gefragt?

Wenig überraschend besteht ein deutlicher Wunsch nach ganz gewöhnlichen Wohnungen. Aber jetzt wird es interessant: Zentral ist, dass in der Wohnung ein hohes Mass an Selbstbestimmtheit, Individualität und Wahlmöglichkeit besteht. Und hier besteht noch viel Potenzial.

Gemeinschaftliches Wohnen ist zwar medial sehr präsent, kommt aber nur für sehr wenige Personen in Frage. Geradezu ein (Marketing-)Hype erlebt Generationenwohnen. Es besteht gemäss der Age-Umfrage ein klare Vorliebe für generationengemischtes Wohnen. Das ist beileibe nicht neu. Sobald indes funktionale Einschränkungen auftauchen gewinnt generationengetrenntes Wohnen rasch wieder an Akzeptanz.

Sodann erfreut sich betreutes Wohnen oder Wohnen mit Service immer grösserer Beliebtheit. Die Idee ist, möglichst lange selbständig in der privaten Wohnung zu leben. Bei ausgeprägter körperlicher Fragilität ist dies nur möglich, wenn

  1. die Wohnung alterstauglich, unter anderem also hindernisfrei ist, sowie
  2. Unterstützung in Form von Betreuung und Pflege zu Hause gegeben sind.

Konzepte und Formen des betreuten Wohnens sind nicht einheitlich: Es fehlt an verbindlichen Leistungsvoraussetzungen. Jeder Anbieter legt diese selbst fest, was die Übersicht für die Kunden erschwert. Standards fürs Planen oder Bauen existieren zwar für den Neubau, jedoch nicht für Sanierungen.

Wohnkonzepte fürs lange Leben zu Hause

Menschen wechseln in der Regel erst im hohen Lebensalter in eine betreute Wohnform. Und zwar dann, wenn sie die angebotenen Leistungen aufgrund funktionaler Einschränkungen wirklich benötigen.

Aus diesem Grund macht es Sinn, Wohnungen so zu konzipieren, dass Mieter und Wohneigentümer sowohl das dritte wie auch das vierte Lebensalter komfortabel und sicher in derselben verbringen können. Betreuungs- und Pflegedienstleistungen sind je nach Bedarf abrufbar.

Allerdings: Wie attraktiv Wohnen mit Betreuung in Zukunft wirklich sein kann, ist auch in hohem Mass von der Politik abhängig.

Immobilieninvestoren, Bauherrschaften und Gemeinden müssen aber jetzt schon neue Konzepte ausprobieren und testen. Bei Fragen dazu stehen wir gerne zur Verfügung.

Autor: David Fässler

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